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Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Fr Okt 30, 2020 3:10 pm
von Zoé
Für Diabetiker gibt es interessante neue Forschungsergebnisse, die vielleicht auch den einen oder die andere hier interessieren könnten.
Man hat im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung einiges über die Entstehung der Krankheit herausgefunden. Bei Epigenetik und Diabetes hat sich gezeigt, dass dem ersten Ausbruch von Diabetes genetische Veränderungen vorausgehen. Mit der Epigenetik werden die Änderungen der Genfunktion untersucht, die nicht durch die Veränderungen der Sequenz der DNS entstehen, wie das z.B. natürlich durch Mutation oder Rekombination geschieht. Trotzdem werden auch diese Änderungen der Genfunktion an die Tochterzellen weitergegeben.
Wenn ihr es genauer wissen wollt oder eine bessere Erklärung sucht, könnt ihr nachlesen unter https://idw-online.de/de/news753903
Bereits einige Jahre vor der Diagnose eines Typ-2-Diabetes lassen sich bei den Betroffenen epigenetische* Veränderungen in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse feststellen.

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Mi Dez 02, 2020 7:20 pm
von Erin
Zunächst einmal möchte ich mich bei dir für das interessante Thema bedanken. Neben Lebensstil und Umweltfaktoren sind auch viele verschiedene Gene verantwortlich für die Entstehung von Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Adipositas. Auch an der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes sind verschiedene Gene beteiligt. Bisher sind etwa 50 krankheitsrelevante Genorte bekannt, die alle einen Einfluss auf die Immunantwort zu haben scheinen. Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD e.V.) forscht schon länger zu Epigenetik und Diabetes um dem Diabetes besser vorzubeugen und zu behandeln sowie Folgeerkrankungen zu vermeiden. Hier ist eine Pressemitteilung des DZD e.V. zu dem Thema: https://www.diabsite.de/aktuelles/nachr ... 0819b.html
Das DZD konnte zeigen, dass durch Ernährung verursachte Fettleibigkeit und Diabetes sowohl über Eizellen als auch über Spermien epigenetisch sogar an die Nachkommen vererbt werden. Eine epigenetische Modifikation fördert Adipositas und Fettleber-Erkrankungen, die beide mit Typ-2-Diabetes zusammenhängen.

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: So Dez 06, 2020 9:27 am
von xavier
Das ist wirklich ein sehr wichtiges und interessantes Thema und die Hinweise finde ich gut. Epigenetik spielt gerade bei Diabetes und der oft vorangehenden Adipositas eine große Rolle. Dabei sind der langfristige Einfluss der Ernährungsgewohnheiten und Sport bzw. Bewegungsmangel die entscheidenden Einflüsse. Gleichzeitig heißt das aber auch, dass man seinem Schicksal nicht machtlos ausgeliefert ist, sondern jederzeit damit beginnen kann etwas zu verändern und den Gesundheitszustand zu verbessern.

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Sa Jan 08, 2022 2:18 pm
von Opal 2o2o
Genetik oder Epigenetik – was ist die Ursache von Diabetes?
Dieses Video ist ein Ausschnitt des Vortrags Genetik/Epigenetik von Prof. Dr. Carsten Carlberg vom Kongress für menschliche Medizin zum Thema "Diabetes überwinden" und geht der Frage nach. Es ist wissenschaftlich, fundiert sowie gut verständlich und wurde vom Helmholtz Institut für die Akademie für menschliche Medizin erstellt:
https://www.youtube.com/watch?v=xpj28XeX7jI

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Mo Jan 10, 2022 6:34 pm
von luna21
Das Thema Epigenetik und die Beiträge finde ich ebenfalls sehr interessant. Danke auch von mir. Wissenschaftler aus aller Welt versuchen herauszufinden, welche Veränderungen das sind und was sie im Einzelnen bewirken. »Das Forschungsgebiet ist noch relativ jung, aber der Kenntniszuwachs ist enorm«, sagt Barbara Munz vom Universitätsklinikum Tübingen. Mit ihrer Arbeitsgruppe untersucht die Biochemikerin, wie Muskelzellen auf körperliches Training reagieren: https://www.spektrum.de/news/wie-sport- ... rt/1735906

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: So Jan 16, 2022 9:21 pm
von Joker
Das finde ich auch. In der Epigenetik ist die Lebensführung letztlich wichtiger als die Erbanlagen. Besonders die Ernährung hat einen sehr großen Einfluss. Dr. med. Rainer Limpinsel rät da: „Sie können Diabetes Typ 2 durch eine kluge Lebensführung bekämpfen und zurückdrängen. Mein Langzeitwert für den Blutzucker betrug 14,1 Prozent. Ich war auf Medikamente angewiesen. Heute lebe ich ohne jegliche Medikamente mit einem Wert von 6 Prozent.“ https://www.diabetes-limpinsel.de/ebook ... 4e3b215c0e

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Sa Jan 22, 2022 12:43 pm
von Abraxas
Das würde ich auch sagen! Bewegung und eine gesunde Lebensführung hält gesund und damit irgendwie auch jung. Ich glaube das merken sich die Gene. Das ist doch auch mit Epigenetik gemeint, dass sich die Gene durch die Lebensführung verändern.

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Mo Jan 24, 2022 10:43 pm
von hierankl
Das glaub ich schon auch. Wenn ich mir die Alt-Herren-Mannschaft in unserem Verein so anschau, haben die alle das Beste aus ihrer Gesundheit herausgeholt. Da hat niemand Diabetes. Sie haben sich freilich ihr Leben lang bewegt und auf ihre Ernährung geachtet. Die Epigenese, also die Entwicklung der Zellen, hat da schon einen sehr großen Einfluss.

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: So Feb 06, 2022 3:27 pm
von Udo
Wir haben unsere Gene, aber wir sind den Genen nicht hilflos ausgeliefert! Das lehrt uns die Epigenetik. Das heißt, unsere Ernährung, unser Verhalten, aber auch unsere Bewegung, unsere Gefühle, die Bücher, die wir lesen, die Gedanken, die wir pflegen, all das formt unsere Gesundheit - wie auch die optimale gesunde Ernährung: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/ ... ck104.html
Essen als Medizin: Wie packe ich selbst eine Ernährungsumstellung an? Was können Betroffene zum Beispiel bei Diabetes Typ 2 tun?

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Mo Feb 21, 2022 12:34 am
von Donatello
Da stimme ich bisher völlig mit euch überein. Die Beiträge über Epigenetik finde ich interessant und echt stark geschrieben. Auch die Links sind hilfreich. Epigenese bedeutet eigentlich die Entwicklung eines Lebewesens. Dadurch wird die Epigenetik quasi ein Bindeglied zwischen Umwelteinflüssen und Genen. Das bedeutet, dass die Art und Weise, wie wir leben, bestimmte Gene an- oder abgeschaltet werden. Das Erbgut bleibt, aber es ist nicht aktiviert. Epigenetik ist auch ein echt interessantes Fachgebiet der Biologie. Da erforscht man, welche Faktoren eigentlich die Aktivität eines bestimmten Gens genau beeinflussen.

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Sa Mär 12, 2022 12:09 pm
von Saga
Hey Leute, ich will mich auch bedanken. Die Beiträge find ich richtig gut. Deshalb habe ich hier interessante Ergebnisse aus der Forschung, die das Thema noch besser beleuchten. Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) am Helmholtz Zentrum München und der Technischen Universität München hat nun Art und Ausmaß der Vererbung epigenetischer Informationen genauer untersucht. https://www.gesundheitsforschung-bmbf.d ... r-3319.php
Wer sich längere Zeit ungesund ernährt, verändert womöglich dauerhaft wichtige Schaltstellen in seinem Erbgut.

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Mo Mär 14, 2022 8:37 pm
von Erin
Da stimme ich euch voll zu! Aktuelle Forschungsergebnisse finde ich auch immer spannend und gerade beim Thema Epigenetik wird ständig neues entdeckt. In Leipzig wird zurzeit z.B. intensiv daran geforscht. Hochkalorisches Essen und wenig Bewegung können zu Lebensstilerkrankungen wie Diabetes und Adipositas (Fettleibigkeit) führen und auch das Risiko für Schlaganfall sowie Demenz erhöhen. Die Biologin Dr. Veronica Witte erforscht den Einfluss von Adipositas, Ernährung und Stoffwechselveränderungen auf die Gehirnstruktur und -funktion: https://www.diabsite.de/aktuelles/nachr ... 20308.html
Ungesunde Ernährung, geringe körperliche Aktivität und Einlagerung von zu viel viszeralem Fett, also Fett, um die inneren Organe, oft auch als typische "Apfel"-Körperform beschrieben, können zu Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes führen. Darüber hinaus schädigen diese Prozesse indirekt das Gehirn und beschleunigen vermutlich auch direkt dessen Alterungsprozesse.

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Mo Mär 21, 2022 9:14 pm
von Kathrin
Das geht mir genauso! Auf diesem Forum konnte ich auch schon viele gute Hinweise auf aktuelle Forschungsergebnisse finden, es wäre allerdings leichter, wenn sie systematischer zugeordnet wären. Aber gut, es ist kein Fachforum. Danke jedenfalls für die gut verständlichen Beiträge und die hilfreichen Linktipps.

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Do Mär 24, 2022 12:34 pm
von Volkhert
Ich will mich auch für die Informationen und Links bedanken, die helfen dieses doch recht vielschichtige Thema besser zu verstehen. Schließlich ist jeder davon betroffen, wenn auch nicht unbedingt in Form von Diabetes.
Epigenetik. Er beleuchtet die Tatsache, dass abhängig vom Lebensstil kranke Gene an- oder ausgeschaltet werden können. Unter Umständen haben die Risikogene dann überhaupt keine schädliche Wirkung. Selbst wenn das individuelle genetische Risiko für eine Erkrankung tatsächlich hoch ist, sind die Gene meist kein Schicksal: Bei den allermeisten Erkrankungen spielen auch Umweltfaktoren wie der Lebensstil eine entscheidenden Rolle. Auch wer mit einer starken Disposition beispielsweise für Typ 2-Diabetes zur Welt kommt kann mit gesunder Ernährung und Bewegung den Ausbruch verhindern.
Welche Gene wir in uns tragen, ist zwar vom Moment der Zeugung an festgelegt, nicht aber ob ein bestimmtes Gen tatsächlich aktiv ist:
https://www.netdoktor.de/magazin/geneti ... ankheiten/
Inzwischen werden epigenetische Veränderungen bereits als Therapiemöglichkeit getestet. Beispielsweise hat man festgestellt, dass Männer mit Prostatakrebs von einer positiven Lebensstilveränderung profitieren. Einige Wochen mit täglichen Spaziergängen, gesunder Ernährung und Entspannungsübungen reichten aus, um mehrere hundert Gene zu deaktivieren - darunter auch solche, die den Krebs fördern.

Re: Diabetes und Epigenetik

Verfasst: Mi Mär 30, 2022 9:45 pm
von björn
Auch von mir Danke für das Thema! Das ist schon echt kompliziert. Ich weiß noch aus der Schule, dass jede Körperzelle im Erbmolekül DNA ein identisches genetisches Inventar enthält, aber jeweils nur die Gene aktiv sind, die von der Zelle benötigt werden. In Muskelzellen z.B. sind das andere als in Nervenzellen. Bei der Steuerung, den sogenannten epigenetischen Signalwegen reicht mein Schulwissen dann aber doch nicht. Kann man eigentlich irgendwie feststellen, ob bzw. wann welches Gen aktiv ist?