Kopfbedeckungen und Haarersatz (Chemotherapie / Haarausfall)

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ischtar
Beiträge: 20
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Kopfbedeckungen und Haarersatz (Chemotherapie / Haarausfall)

Beitrag von ischtar » So Mai 22, 2022 10:49 pm

Hallo liebes Forum!
Mir ist aufgefallen, dass es hier zwar hin und wieder um kosmetischen Haarausfall geht aber dass es die Folgen von Haarausfall bisher nicht thematisiert wurden. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass dieses Thema für viele ein Tabu ist. Dabei gibt es viele Betroffene. Allein in meinem Umfeld sind vier Personen von Alopezie, so der medizinische Ausdruck, nach einer Chemotherapie betroffen. Jedoch trauen sich besonders die Frauen kaum darüber zu reden. Deshalb werde ich das hiermit tun.
Der Krebs selbst ist schon eine schwere Belastung und die sogenannte „Chemo-Glatze“ sorgt dafür, dass die Betroffenen dauernd auf ihre Krankheit angesprochen werden, auch wenn sie einmal Abstand gewinnen möchten. Leider verlieren zwei von fünf Frauen ihre Haare dauerhaft. Nicht nur deshalb ist es wichtig, sich schon vor Therapiebeginn zu überlegen, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen und eine möglichst positive Einstellung dazu zu entwickeln. Eine Perücke, die natürlich und unauffällig sein soll, muss in Farbe und Struktur noch mit dem Eigenhaar verglichen werden können. Es besteht auch die Möglichkeit einer Eigenhaarperücke, wenn sie langfristig vor der Therapie vorbereitet wurde. Tatsächlich ist Echthaar im Vergleich zu Kunsthaar jedoch wesentlich pflegeintensiver. Es gibt aber auch viele modische Alternativen zur Perücke wie z.B. Mützen, Kappen. Tücher und Turbane. Um die richtige Wahl zu treffen, muss ich mir vorher genau überlegen, wer ich bin und was ich darstellen will. Diese Auseinandersetzung mit sich selbst, kann eine positive Motivation in einer schweren Zeit bringen.
Von krankhaftem Haarausfall sind aber nicht nur Krebspatienten betroffen tatsächlich. Auch eine hormonelle Störung sowie psychische Belastungen können Alopezie auslösen. Als krankhaft eingestuft werden, und damit auch von den KK teilweise unterstützt, gelten die Alopecia areata (Kreisrunder Haarausfall) sowie die Alopecia diffusa, bei der die Haare gleichmäßig ausfallen und sichtbar dünner werden (wie nach der Chemotherapie).
Vielleicht gibt es hier Leute, die solche Erfahrungen gemacht haben und sich mal anonym dazu äußern wollen…
:? Wenn ihr Fragen dazu habt, werde ich versuchen sie zu beantworten.
Mir würde es gefallen, wenn sich ein Austausch zu dem Thema ergeben würde und wir hier die Informationen dazu sammeln.

Tusnelda
Beiträge: 222
Registriert: Fr Aug 29, 2008 5:11 pm

Re: Kopfbedeckungen und Haarersatz (Chemotherapie / Haarausfall)

Beitrag von Tusnelda » Mo Mai 30, 2022 3:06 pm

Hallo, ich kann dir zwar keine Kopfbedeckung empfehlen, aber vielleicht ein paar Tipps geben, wie ihr eine Chemoglatze attraktiver gestalten könnt und das Haarwachstum beschleunigt. Zunächst solltet ihr die Haare nicht bis auf die Haut herunterrasieren, sondern lieber einen Stoppelschnitt, einen sogenannten Buzzcut, machen. Das könnt leicht mit einer Haarschneidemaschine alleine machen. Die Stoppeln dürfen eine Länge von 4 bis 10 Millimetern haben. Zur Pflege dürft ihr eure Kopfhaut alle 2 Tage mit Babyshampoo waschen. Dabei oder danach solltet ihr eine sanfte Kopfhautmassage machen. Außerdem solltet ihr bei der Ernährung auf reichlich Biotin achten. Es ist wichtig für gesundes Haarwachstum und ihr findet es besonders in Eiern und Lachs. Zudem sind Eisen und Zink sind am Aufbau der Haare beteiligt und sollten bei Bedarf substituiert werden.

Birte
Beiträge: 57
Registriert: Mo Aug 18, 2008 12:45 am

Re: Kopfbedeckungen und Haarersatz (Chemotherapie / Haarausfall)

Beitrag von Birte » Mi Jun 01, 2022 10:56 pm

Hallo, die Hinweise finde ich auch total wichtig und richtig. Zusätzlich will ich darauf hinweisen, dass mittlerweile durch eine Studie belegt wurde, dass Depressionen und Gefühle von Hilf- und Hoffnungslosigkeit bösartige Erkrankungen in eine negative Richtung lenken können. Eine positive Einstellung hingegen unterstützt die Therapie. Deshalb ist auch ein liebevoller Umgang mit der Chemoglatze wichtig. Dasselbe gilt übrigens für die soziale Unterstützung. Menschen mit einem wohlmeinenden Umfeld haben bessere Heilungschancen. Für das Gemeinschaftsleben, ist es allerdings weniger wichtig gut auszusehen als sich so zu fühlen und offen auf andere zuzugehen.

Erin
Beiträge: 128
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Re: Kopfbedeckungen und Haarersatz (Chemotherapie / Haarausfall)

Beitrag von Erin » Fr Jun 17, 2022 5:45 pm

Da stimme ich dir voll zu! Die Glatze kann eine zusätzliche Belastung darstellen, die den Heilungsprozess beeinträchtigen kann. Die beste Option von allen scheint mir die Echthaarperücke zu sein. Wenn es genug Vorbereitungszeit vor der Chemo gibt, wäre eine Perücke aus eigenem Haar die allerbeste Lösung. Das ist aber sehr aufwendig und entsprechend sehr teuer. Die Krankenkassen geben wohl etwas dazu, aber ich glaube den Löwenanteil müssen die Patient*innen selbst zahlen.

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