Hygiene Hypothese

Fiona
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Re: Hygiene Hypothese

Beitrag von Fiona » So Okt 06, 2019 1:36 pm

Leider ist das nicht so richtig. Zwar gibt es Länder, die anscheinend seltener von Allergien heimgesucht werden, wie China und Indien mit unter 5 Prozent oder sogar Indonesiern mit weniger als 2 Prozent. Auch in vielen osteuropäischen Ländern liegt die Zahl der Allergien, zumindest offiziell, unter 5 Prozent. Dagegen steigt sie in England und Neuseeland weit über 20 Prozent (also jeder 4-5. erkrankt). Im Westen Deutschlands liegt sie bei etwa 15 Prozent, im Osten noch 1-2 Prozent darunter.
Diese Zahlen sprechen doch sehr für einen kulturellen Einfluss, oder?!
Allerdings kann man es auch anders herum sehen: nur in Staaten, in denen relativer Wohlstand herrscht, werden Allergien offiziell wahrgenommen. Von Indien weiß ich, dass es seit einigen Jahren eine große Zunahme von Allergien gibt. Insbesondere haben Asthma und Neurodermitis zugenommen. Es gibt aber auch mehr Ärzte, die sich darum kümmern. Sie nehmen die Erkrankung nun aufmerksam wahr, die vorher von weniger Ärzten, die primär mit Kindersterblichkeit zu tun hatten, nur als Bagatelle gesehen wurden.
Leider ist es auch in Deutschland so, dass nur ein Bruchteil der Betroffenen richtig behandelt wird, weil viele Ärzte zu wenig über Allergien wissen und sie nicht ernst nehmen.

marissa
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Re: Hygiene Hypothese

Beitrag von marissa » Mo Dez 09, 2019 7:32 pm

Tiere und das Zusammenleben mit Tieren spielt auf jeden Fall eine Rolle und ich glaube, du hast auch Recht mit der Ernährung. Vor kurzem habe ich gehört, dass Fette eine sehr große Rolle bei der Entwicklung von Allergien spielen. Ich bin nur nicht mehr sicher, ob es um zu große Aufnahme im jungen Alter ging oder um die Verwertung von Fetten, die auch genetisch gesteuert ist.
Ich werde selbst versuchen herauszufinden, wie da die Zusammenhänge genau sind. Aber, wenn jemand von euch darüber Bescheid weiß, würde ich mich auch extremst über eine Antwort freuen.

primavera
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Re: Hygiene Hypothese

Beitrag von primavera » Di Dez 17, 2019 11:09 pm

Ich finde diese Diskussion auch richtig interessant, besonders auch wenn es um internationale Vergleiche geht. Wie das mit der Verwertung von Fetten genau ist und wie sich das auf Allergiker auswirkt weiß ich leider auch nicht. Das ist sicher auch interessant. Ich finde aber, dass man schon viel erkennen kann, wenn man verschiedene Länder vergleicht. Das Ärzteblatt hat da eine Art Weltatlas der Allergien zusammengestellt: https://www.aerzteblatt.de/archiv/11424 ; es handelt sich um einen internationaler Prävalenz-Vergleich. Das könnte auch besonders Kerala und die anderen interessieren, die schon Vergleiche mit Indien usw. gepostet haben.

Kralle
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Re: Hygiene Hypothese

Beitrag von Kralle » Mi Dez 18, 2019 2:59 pm

Die Diskussion und der internationale Vergleich sind tatsächlich sehr interessant.
Doch der Aspekt mit den Fetten ist irgendwie noch interessanter für mich, weil ich da in letzter Zeit einiges darüber gelesen hab. Dass die Fettauswahl für die Nahrung ein möglicher Auslöser für Allergien ist, trifft wohl eher auf die Pseudoallergien (eigentlich Unverträglichkeiten, weil sie keine allergischen Reaktionen auslösen) zu. Lebensmittelallergene sind in der Regel Eiweiße oder Eiweiß-Kohlenhydrat-Verbindungen. Fette kann man da vernachlässigen. Außer bei Allergien gegen Erdnüsse und Seefische. Da werden die Allergene durch das Fett transportiert.

Tusnelda
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Re: Hygiene Hypothese

Beitrag von Tusnelda » Sa Dez 21, 2019 12:10 pm

Gerade durch die internationalen Vergleiche wird doch die Annahme bestätigt, die mittlerweile auch von den Schulmedizinern geteilt wird, dass bestimmte Zellen unseres Immunsystems eine Vorhut bilden, die immer auf Konfrontationskurs ist. Wenn es keine echten Aggressoren gibt, reagieren diese Zellen eben auf bisherige ungefährliche Nichtigkeiten und determinieren sie als Aggressoren, also Allergene.
Das Immunsystem muss also tatsächlich beschäftigt werden, wenn es sich ausbildet. Da sind die üblichen Keime und Viren, die von Tieren übertragen werden genau das richtige Training. Zuviel Hygiene in der Kindheit kann also mehr schaden als nutzen.

deter d.
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Re: Hygiene Hypothese

Beitrag von deter d. » Sa Dez 28, 2019 12:28 am

Wirklich interessant! Auch die Zahlen und Fakten von der ECARF über Allergien (mit Factsheet zum herunterladen) helfen, damit man sich ein genaues Bild machen kann. Ganz gute Erklärung:
Gesteigerte Hygiene, Umweltbelastungen, der Klimawandel und die damit einhergehende Veränderung der Pflanzenwelt sowie die Globalisierung des Lebensmittelmarkts sind nur einige der Aspekte, die nach heutigem Wissensstand mit der Ausbreitung von Allergien zusammenhängen.
weiterlesen auf https://www.ecarf.org/info-portal/allge ... nd-fakten/

Ira
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Re: Hygiene Hypothese

Beitrag von Ira » Sa Jan 04, 2020 11:15 am

Das sind viele interessante Aspekte, finde ich. Zur Frage des internationalen Vergleichs zum Aufkommen von Allergien und der Hypothese, dass zu viel Hygiene Allergien begünstigt, hier ein Zitat von Prof. Erika von Mutius, Leiterin der Asthma- und Allergieambulanz München: "Die Natur macht’s uns vor. Die Bauernkinder machen’s uns vor. Wir wissen, dass bei den Amish People in Amerika, die haben noch weniger [Allergien], das sind auch traditionelle Bauern. Auf dem Land in China gibt’s das nicht. Also wir wissen: Es kann funktionieren, die Natur weiß, wie das geht. Aber wir haben es noch nicht ganz verstanden."
Hier könnt ihr das Interview hören oder nachlesen:
https://www.br.de/nachrichten/bayern/al ... ma,QsOypxg

hornisse
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Re: Hygiene Hypothese

Beitrag von hornisse » Mo Jan 06, 2020 9:26 pm

Bin auch der Meinung, dass sich der Thread mittlerweile zum interessanten in allen Gesundheitsforen, die ich kenne, entwickelt.
Echt großartige Argumente und sinnvolle Linx! :D

Ich war jedenfalls als Kind viel draußen, hab im Dreck gespielt und alten Kram gesammelt. Meine Ma war immer entsetzt von dem ganzen Schmutz, aber wahrscheinlich hat der mein Immunsystem gestärkt. Mit meiner Frau habe ich beschlossen, unseren Kindern auch diese Freiheiten zu lassen. Allerdings benötigt man dafür natürlich eine Umgebung, die giftstofffrei ist. Milch bleibt für mich ein umstrittenes Thema.

stefan
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Re: Hygiene Hypothese

Beitrag von stefan » Di Jan 14, 2020 10:31 pm

Ich stimme dir da völlig zu. Die Hygiene Hypothese manifestiert sich immer stärker. Auch, wenn noch nicht ganz determiniert ist, was wann wie genau im Körper geschieht, weist vieles darauf hin, dass Menschen, die naturverbundener leben, weniger Allergien haben als die anderen.
Der Begriff "Hygienehypothese" wurde bereits 1989 von David Strachan, Epidemiologe an der St. George's University, geprägt nachdem er 5000 Kinder untersucht hatte. Bei Landkindern sank das Risiko für allergische Erkrankungen signifikant. Er führte das unter anderem auf den Genuss unbehandelter Milch zurück.
Die Rolle der Rohmilch wurde in der Diskussion bereits erwähnt. Wer das Wissen darum vertiefen will, sollte folgendenArtikel aus dem Spektrum der Wissenschaft lesen: https://www.spektrum.de/news/die-rohmil ... ts/1184008

Vitali
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Re: Hygiene Hypothese

Beitrag von Vitali » Sa Jan 25, 2020 7:40 pm

Ich bin ganz deiner Meinung!
Die Hygienehypothese ist ein sehr interessantes Thema und die Rolle der Rohmilch darin, hat mich besonders neugierig gemacht und ich habe mal einiges darüber gelesen. „Kommt es zu einer Sensibilisierung gegenüber Rohmilch so werden relativ wenig IgE-Antikörper gebildet und auch Provokationstests konnten kam allergische Symptome hervorrufen.“ erklärt https://allergien.de/rohmilch-fuer-alle ... ete-milch/
Auf der Seite findet ihr auch weitere Hintergrundberichte und aktuelle Informationen über Allergien.

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